Die Midgardschlange
Auch: Miðgarðsormr
Kind Lokis und der Riesin Angrboða, von Odin ins Meer um Midgard geworfen. Dort wuchs sie, bis sie die Welt umschließt und sich in den eigenen Schwanz beißt. Bei Ragnarök erschlägt sie Thor, stirbt aber an ihrem Gift.
Gylfaginning 34 erzählt, wie Odin die drei Kinder Lokis und der Riesin Angrboða unter sich aufteilt: den Wolf Fenrir behalten die Götter in Asgard, die Riesin Hel schickt er in die Unterwelt, die Schlange Jörmungandr wirft er ins Meer, das Midgard umgibt. Dort wächst sie, bis sie die ganze Welt umspannt und sich selbst in den Schwanz beißt — daher der Name Miðgarðsormr, Midgardschlange. Im Lied Hymiskviða fährt Thor mit dem Riesen Hymir zum Fischen hinaus und angelt die Schlange mit einem Stierkopf als Köder; im Moment des Zuschlagens durchtrennt der erschrockene Hymir die Leine, und die Schlange versinkt wieder im Meer. Bei Ragnarök kommt es zum entscheidenden Kampf: Thor erschlägt Jörmungandr, geht danach neun Schritte und fällt selbst an ihrem Gift (Gylfaginning 51, Vǫluspá 56).
Irgendwo unter dem Meer liegt eine Schlange, die so lang ist, dass sie sich selbst in den Schwanz beißt und die ganze Welt damit zusammenhält. Jörmungandr wurde nicht geboren, um zu zerstören — er wurde ins Meer geworfen, weil die Götter Angst vor dem hatten, was er werden könnte. Und genau deshalb wird er am Ende zurückkommen. „Jörmungandr" ist unser Lied über das, was passiert, wenn man etwas so lange verdrängt, bis es zu groß wird, um es noch zu verdrängen.
Dieser Abschnitt ist unsere eigene Erzählung, keine Überlieferung.
Redaktioneller Stand: 03.08.2026. Vor weiterer Verwendung sollten Primärquellen geprüft werden.